„Da konnte ich nur noch weinen“
Trauer, Mut und Glaube: Nach dem Erdbeben in Venezuela werden Kirchengemeinden zu Hoffnungsorten
Drei Wochen ist das schwere Erdbeben in Venezuela inzwischen her. Aus den Schlagzeilen ist die Katastrophe weitgehend verschwunden. Für die Menschen vor Ort aber ist nichts mehr normal. Söhne, Töchter, Mütter, Väter, Geschwister, Freunde und Nachbarn sind tot. Viele Familien wissen bis heute nicht genau, was mit ihren Angehörigen geschehen ist – nur, dass sie vermutlich nicht mehr leben. Tausende Menschen wurden verletzt. Wohnhäuser, Krankenhäuser, Schulen und Behörden wurden zerstört oder schwer beschädigt. Hinzu kommt: Venezuela war bereits vor dem Erdbeben ein geschwächtes Land. Jahre der Misswirtschaft haben Armut und Not verschärft. Das Erdbeben traf Menschen, die schon vorher kaum noch Reserven hatten.


Samaritan's Purse gehörte zu den ersten internationalen Hilfsorganisationen vor Ort. Innerhalb weniger Tage entstand in La Guaira ein mobiles Feldkrankenhaus, bis heute sind dort über 1.000 Menschen versorgt worden. Gleichzeitig trafen Frachtflugzeuge mit Hilfsgütern ein. Gemeinsam mit lokalen Kirchengemeinden verteilen die Teams Notunterkünfte, Trinkwasser, Hygienepakete und andere lebenswichtige Hilfsgüter.




Von Verzweiflung, Trauer, Leid, aber auch von Hoffnung, Mut und überwältigender Tatkraft erzählt Jon Stone, Senior Emergency Management and Incident Response Leader bei Samaritan’s Purse, im aktuellen Podcast „On the Ground“.
Stone gehörte zu den ersten internationalen Mitarbeitern, die nach Venezuela reisten. „Wir wussten nicht genau, was uns erwarten würde“, berichtet er. Als er vom Flughafen ins Katastrophengebiet fährt, sieht er auf beiden Seiten der Straße eingestürzte Häuser und Familien, die seit Tagen unter freiem Himmel leben.


„Mir bricht das Herz“, sagt Stone. „Und gleichzeitig bin ich dankbar, dass wir im Namen Jesu helfen können.“
So viele Menschen seien im Einsatz, so Stone: „Es ist so beeindruckend zu sehen, wie Gott jedem den richtigen Platz zuweist, so dass jeder seine Fähigkeiten einbringen kann.“ Damit die Hilfe möglichst reibungslos funktioniert, arbeitet im internationalen Hauptquartier von Samaritan's Purse rund um die Uhr ein Einsatzstab. Von dort werden Hilfsflüge, Personal, medizinische Versorgung und Logistik koordiniert.
Bereits wenige Tage nach den Erdbeben landeten die ersten Hilfsflüge mit tonnenweise Material in Venezuela. Verteilt werden Planen, Zelte, Solarlampen, Küchensets, Generatoren und Hygienepakete. Das Wichtigste sind die Zelte. „Keine einfachen Campingzelte“, erklärt Stone. „Diese Zelte wiegen rund 125 Pfund und halten auch Stürmen stand.“ Die Teams liefern sie nicht nur aus, sondern helfen den Familien auch beim Aufbau.




Weite Teile der Region haben bis heute keinen Strom. Solarlampen geben Licht und mehr noch: Sie verfügen über einen USB-Anschluss. So können Familien ihre Mobiltelefone wieder aufladen – oft die einzige Möglichkeit, Angehörige zu erreichen oder Nachrichten über Vermisste zu erhalten. „So viele Menschen versuchen, ihre Familien zu erreichen“, erzählt Stone. „Viele Anrufe und Nachrichten bleiben unbeantwortet.“
Gleichzeitig unterstützt Samaritan's Purse lokale Kirchengemeinden dabei, warme Mahlzeiten zuzubereiten. Sie erhalten Generatoren, Kochplatten und große Kessel und kochen damit für ihre Nachbarschaft. Andere Gemeinden dienen als Verteilzentren für die Hilfsgüter und bringen Planen, Solarlampen, Hygienepakete und Küchensets auch in abgelegene Dörfer.


Als Stones Team eine der ersten Gemeinden besucht, ist das Kirchengebäude so schwer beschädigt, dass es nicht mehr betreten werden darf. Auf dem Hof haben sich einige Gemeindemitglieder versammelt, tauschen sich aus, viele von ihnen stehen vor dem Nichts. Einer der Pastoren trauert um seinen Sohn und seinen Enkel, die beim Erdbeben ums Leben kamen.
Stone ist erschüttert, geht von Mensch zu Mensch, fragt, bietet an, mit ihnen zu beten. Keiner klagt. Einer sagt: „Es ist schwer. Aber Gott ist gut.“ Andere sagen: „Unsere Hoffnung liegt bei IHM.“ Oder: „Wir haben alles verloren. Aber Gott genügt.“ Als einer anfängt zu singen, stimmen die anderen ein. Gemeinsam singen sie Lobpreislieder. „Da konnte ich nur noch weinen“, erzählt Stone.
„Ich hatte das Gefühl, auf heiligem Boden zu stehen.“
Noch am selben Tag wird diese Gemeinde zu einem Verteilzentrum für die Hilfsgüter, die Samaritan’s Purse zur Verfügung stellt. Wenige Stunden später kommen bereits Christen aus anderen Orten, laden Planen, Decken, Solarlampen und Hygienepakete in ihre Autos und bringen sie weiter in abgelegene Dörfer.
„Kann aus einer Katastrophe Hoffnung, Glaube und etwas Gutes entstehen?“, fragt Stone am Ende des Podcasts. „Die Antwort lautet eindeutig: Ja. Menschen haben alles verloren – und gerade jetzt wenden sie sich Gott zu.“
Den vollständigen Podcast „On the Ground – Venezuela Earthquake Response“ mit Jon Stone und Dr. Elliott Tenpenny findet ihr hier:
