Neu berufen
Veränderungen bei Samaritan’s Purse in Deutschland: Marina Nobiling wurde in den Vorstand berufen und wird künftig die nationale und internationale Programmarbeit verantworten.
Marina Nobiling lacht gern und sie hat Humor. Sätze wie „Mein ganzes Leben lang hatte ich falsch gedacht“ klingen bei ihr fast fröhlich. Denn fröhlich ist sie tatsächlich. Nicht oberflächlich oder aufgesetzt. Marina Nobiling strahlt die tiefe, ruhige Freude eines Menschen aus, der Dunkelheit kennt – und Hoffnung gefunden hat.

Ein starkes Team
Wer Marina heute erlebt, begegnet einer entschiedenen Führungsfigur, einer klugen Strategin und einer Frau mit großer geistlicher Klarheit. Seit Kurzem gehört sie zum Vorstand von Samaritan’s Purse in Deutschland. Gemeinsam mit der Vorstandsvorsitzenden Sylke Busenbender steht sie künftig an der Spitze des christlichen Hilfswerks und verantwortet die nationale und internationale Programmarbeit.
Gerettet im doppeltem Sinne
Aufgewachsen in einem säkularen Umfeld, hielt Marina den christlichen Glauben lange für überholt. Religion? Für sie ein Relikt vergangener Zeiten. „Ich habe gegen den Glauben gekämpft“, erzählt sie offen im Podcast On the Ground von Samaritan’s Purse. Wissenschaft, Fortschritt, Selbstbestimmung – darin sah sie die Antworten.
Gleichzeitig begann schon früh ein anderer Kampf. Bereits als Kind entwickelte sie schwere Probleme mit ihrem Körper und ihrem Essverhalten. Später wurden daraus massive Essstörungen, Angstzustände und Panikattacken. Ihr Leben kreiste immer stärker um Kontrolle – und geriet dabei außer Kontrolle (Marinas ganze Geschichte lest ihr hier).
Bis zu jener Nacht, in der sie beschloss, nicht weiterleben zu wollen.
„Ich hatte alles vorbereitet“, erzählt sie in ihrer gelassenen und nüchternen Art. „Ich wollte einfach, dass dieser Kampf endet.“ Doch mitten in diese Dunkelheit hinein drängte sich plötzlich ein Gedanke:
"Du hast noch nicht gebetet."
Absurd, fand sie damals. Wie kam sie denn dazu? Sie glaubte doch gar nicht an Gott. Und doch ließ sie der Gedanke nicht los. Schließlich gab sie dem inneren Drängen nach und sagte den Satz: „Wenn es dich gibt – dann tu etwas.“
Am nächsten Morgen, erzählt Marina, habe sie plötzlich eine Gegenwart gespürt. Frieden. Wärme. Geborgenheit. Und dann diesen Satz: „Ich möchte, dass du lebst. Du kannst es schaffen – ich helfe dir.“
Woher sie wusste, dass es Jesus war?
„Ich wusste es einfach“, sagt sie – und lächelt.
Dieser Moment veränderte alles. Marina begann, sich mit dem christlichen Glauben auseinanderzusetzen, suchte Kontakt zu Christen und klopfte schließlich an die Tür einer Kirche mit den Worten: „Ich möchte mich taufen lassen.“ Der Pastor sei zunächst völlig irritiert gewesen: Menschen, die aus persönlichem Glauben um Taufe baten, begegneten ihm äußerst selten.

Das alles ist einige Jahre her. Inzwischen prägt Marina Nobiling die Arbeit von Samaritan’s Purse in Deutschland schon lange mit. Seit 2018 gehört sie zur Organisation, zunächst in der Spenderkommunikation, später als Leiterin der nationalen Programme. Doch die Kämpfe sind nicht einfach verschwunden. Angst, Zweifel und zermürbende Gedanken kenne sie bis heute.
Für solche Momente habe sie einen „geistlichen Erste-Hilfe-Koffer“, erzählt Marina Nobiling. Darin: Bibelverse und Psalmen gegen die Ängste, die manchmal wieder laut werden.
Ein Herzensprojekt
Ihr Herzensprojekt bei Samaritan’s Purse ist Alabaster Jar. Mit dem Projekt unterstützt Samaritan’s Purse in Berlin Frauen, die in die Prostitution geraten sind. Die Mitarbeiterinnen begegnen ihnen in Bordellen, Stripclubs oder auf der Straße und hören immer wieder ähnliche Geschichten: Gewalt, Zwang, ökonomischer Druck oder emotionale Abhängigkeiten lassen den Frauen keine Wahl. Allein im Jahr 2025 erreichten die Teams von Alabaster Jar über 380 Frauen durch Straßen- und Caféarbeit, mehr als 300 Frauen besuchten sie in Bordellen und Stripclubs.

Das Team begleitet bei Arzt- und Behördenterminen, vermittelt Ausstiegshilfen, steht den Frauen mit Gespräch und Gebet zur Seite. „Wir sind nicht da, um zu urteilen“, sagt Marina Nobiling.
„Wir wollen den Frauen zeigen, wie wertvoll ihr Leben ist – und dass sie von Gott geliebt sind!“
Denn das hat Marina Nobiling ja selbst erlebt: „Jesus gibt niemanden auf.“
Drei Fragen an Marina Nobiling
Welche Menschen und Glaubenserfahrungen haben dich besonders geprägt?
„Meine Begegnung mit Jesus. Und Menschen, die trotz schwerer Lebenssituationen ihren Glauben offen und fröhlich gelebt haben. Sie haben mir gezeigt, was Vertrauen auf Gott bedeutet – auch in Unsicherheit und Gegenwind.“
Welche Herausforderungen siehst du heute für christliche Arbeit in Deutschland?
„Vieles, was früher selbstverständlich war, ist heute erklärungsbedürftig geworden – selbst unter Christen. Umso wichtiger ist es, dass Gemeinden ihren Auftrag neu entdecken.“
Was wünscht du dir für die Zukunft von Samaritan’s Purse?
„Ich wünsche mir ein starkes Netzwerk von Christen und Gemeinden, das Jesus groß macht und Hoffnung dorthin bringt, wo Menschen sie am dringendsten brauchen.“
Podcast-Tipp
Im Podcast On the Ground spricht Marina Nobiling mit Kristy Graham ausführlich über ihren persönlichen Glaubensweg, ihre Arbeit bei Samaritan’s Purse und die Vision hinter dem Projekt Alabaster Jar.
