Im Ernstfall gewappnet
„Die Liebe Gottes an Orte bringen, an denen Not und Verzweiflung herrschen“: Wie Samaritan’s Purse Katastrophenhelfer auf den Ernstfall vorbereitet
Ein Behandlungszelt nach einem Erdbeben. Verletzte Menschen, die innerhalb weniger Minuten versorgt werden müssen. Lebensmittelverteilungen, während draußen immer mehr Menschen auf Hilfe warten. Prekäre Sicherheitslagen. Lieferengpässe. Entscheidungen unter Zeitdruck.
Katastrophentraining 2026
Was nach einem realen Katastropheneinsatz klingt, war im Juni Teil eines Trainings in Filderstadt. 55 Teilnehmer aus aller Herren Länder bereiteten sich auf ihre mögliche Aufgabe als DART-Mitglieder vor. DART steht für Disaster Assistance Response Team – speziell geschulte Katastrophenhelfer von Samaritan’s Purse, die überall auf der Welt auf Kriege, Naturkatastrophen und humanitäre Krisen reagieren können. Weltweit gehören mehr als 3.100 Frauen und Männer zu diesen Teams. In Krisengebieten rund um den Globus unterstützen sie Menschen, die alles verloren haben. Aktuell sind deutsche DART-Mitglieder unter anderem im Libanon und im Ebola-Einsatz in der Demokratischen Republik Kongo tätig.


Simulationen meistern
Theorie gibt es auch in Filderstadt, noch mehr aber wird praktisch geübt. In kleinen Gruppen werden Szenarien durchgespielt, medizinische Notfälle simuliert und logistische Herausforderungen gelöst. „Die Simulationen waren die Highlights“, erzählt Dominik Tiedeck, der bei Samaritan’s Purse die deutschen DART-Mitglieder koordiniert. „Die Nicht-Mediziner mussten logistische Herausforderungen meistern, während die Mediziner Triage-Szenarien durchgespielt haben.“ Besonders eindrücklich sei für alle das Sicherheitstraining gewesen.


Vielfalt als Stärke
Die Teilnehmer kommen aus einer großen Vielfalt von Berufen und Lebenssituationen. Manche arbeiten im Gesundheitswesen, andere in der Logistik, im Handwerk oder in technischen Berufen. Einige sind bereits erfahrene Katastrophenhelfer, andere stehen noch ganz am Anfang. „Es war schön, eine so große und bunte Truppe dabei zu haben – mit Teilnehmern aus Griechenland, Indien, Armenien, Argentinien und vielen weiteren Ländern“, sagt Tiedeck.
Warum alles riskieren?
Doch warum meldet sich jemand freiwillig für Einsätze in Katastrophengebieten? Warum investiert jemand Urlaubstage und Freizeit, um irgendwann vielleicht in einem Flüchtlingslager, nach einem Erdbeben oder mitten in einer humanitären Krise zu arbeiten? „Es gibt viele verschiedene Motive, die einen dazu veranlassen können, sich als DART zu bewerben“, sagt Marina Nobiling, Vorstand Samaritan’s Purse Deutschland und Leiterin der Abteilung Nationale und Internationale Projekte.
„Das wichtigste Motiv ist, die Liebe Gottes an Orte zu bringen, an denen Not und Verzweiflung herrschen.“


Momente, für die es keine Vorbereitung gibt
Ein erfahrener DART-Helfer, der bereits mehrere Einsätze absolviert hat, ergänzt: „Wir haben als Christen die Verantwortung, die Hoffnung und die Liebe weiterzugeben, die Jesus uns gezeigt hat.“
Sein erster Einsatz führte ihn vor einigen Jahren in ein Flüchtlingslager in Äthiopien. „Als wir ankamen, hat das Kind meine Hand genommen und die ganze Zeit nicht mehr losgelassen.“ Noch heute denke er an dieses Kind. Katastrophenhilfe besteht nicht nur aus Transportlisten, Sicherheitskonzepten oder Hilfsgütern. Hinter jeder Krise stehen Menschen mit Geschichten, Hoffnungen und Verlusten.
Wer bereits im Einsatz war, berichtet von Situationen, auf die kein Training vorbereitet: die schiere Größe eines Flüchtlingslagers, die unendliche Verzweiflung von Familien, die alles verloren haben, oder das Gefühl, angesichts entsetzlicher Not nur einen kleinen Beitrag leisten zu können. „Viele sagen später, sie hätten sich wie Hochstapler gefühlt“, erzählt Nobiling. „Denn all die Fähigkeiten, die man besitzt, erscheinen im Angesicht einer Katastrophe plötzlich erstaunlich klein.“

Wie Glaube trägt
Gerade deshalb sei die Vorbereitung nicht nur fachlicher Natur. „Im Training wird schnell klar, wie wichtig die geistliche Vorbereitung ist und wie notwendig es ist, seine Gedanken vor Ort zu leiten und im Zaum zu halten“, sagt sie. „Sich auf Gott auszurichten, bei ihm aufzutanken und sich von ihm leiten zu lassen, ist im Einsatz nicht optional, sondern notwendig, um in einem chaotischen Umfeld arbeiten zu können.“
Genau das macht die DART-Arbeit aus. Ob Logistiker, Krankenpflegerin, Handwerker, IT-Spezialist oder Verwaltungsmitarbeiter – gebraucht werden Menschen mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten, die aber dem gleichen Ruf folgen:
Menschen in ihrer größten Not beizustehen – mit den Fähigkeiten, die Gott ihnen gegeben hat, und mit der Hoffnung, die sie selbst trägt.


Für manche Teilnehmer könnte das Gelernte schon bald praktische Bedeutung bekommen. Der aktuelle Ebola-Einsatz von Samaritan’s Purse in der Demokratischen Republik Kongo bietet möglicherweise erste Gelegenheiten für zukünftige Einsätze. „Während des Trainings wurde mir erneut bewusst, wie anspruchsvoll und herausfordernd der Einsatz von DARTs in allen Bereichen ist“, sagt Nobiling. „Und wie wichtig es ist, diese Helfer durch anhaltendes Gebet zu unterstützen.“
