Vom Saulus zum Paulus
Eine ungewöhnliche Karriere bewegt zum Beten
Aus dem Rotlichtmilieu in die Gemeindearbeit: Markus Habicht kennt beide Welten. Heute setzt er sich bei Samaritan’s Purse mit dem Projekt „Männer gegen Menschenhandel“ dafür ein, dass Männer Verantwortung übernehmen – und erfahren, dass Gott Leben verändern kann.
Markus Habicht ist ein Menschenfischer. Er kann begeistern, aufwühlen und mitreißen. Wenn er redet, hört man, dass er meint, was er sagt. Wenn er lacht, möchte man mitlachen. Und Markus lacht viel und gern. Er weiß das Schöne im Leben zu schätzen – weil in seinem Leben nicht immer alles schön war. Es ist gewiss nicht übertrieben, seinen Lebenslauf als ungewöhnlich zu bezeichnen. Und ungewöhnlich ist auch sein Job: Bei Samaritan’s Purse arbeitet Markus Habicht als „Koordinator für Kirchenbeziehungen“: Er ist die Schnittstelle zwischen Gemeinden und Organisation. Ein wesentlicher Teil seiner Arbeit ist der von ihm initiierte Aufbau des Gebetsnetzwerks „Männer gegen Menschenhandel“.

Teil des Systems
Ein Gebetsnetzwerk – und dann auch noch gegen Menschenhandel? Vor nicht allzu langer Zeit hätte Markus darüber vermutlich nur den Kopf geschüttelt. Zu tief verstrickt war er selbst in genau die Machenschaften, die solches Unrecht möglich machen. Nüchtern sagt er:
„Ich war Teil eines Systems, das Frauen benutzt. Ich habe davon profitiert und ich habe weggeschaut.“
Pastorenkind wider willen
Damals war Geld sein Maßstab. Erfolg bedeutete Status, Autos, Einfluss. Als Pastorenkind aufgewachsen, wollte er alles – nur nicht das einfache Leben seiner Eltern. Er wollte das große Geld, handelte mit Autos, ließ sich auf Kreise ein, die man besser meidet. Die Geschäfte wurden rechtlich und moralisch immer fragwürdiger. Der Druck wuchs, die Schulden stiegen, mafiöse Strukturen bestimmten sein Umfeld. Was nach außen wie ein steiler Aufstieg aussah, war innerlich längst eine Abwärtsspirale. Angst wurde sein ständiger Begleiter. Misstrauen, Schlaflosigkeit, Alkohol beherrschten seinen Alltag. Und eine Leere, die weder durch Geld noch durch Erfolg zu füllen war.
Heute spricht er ungewöhnlich offen darüber - weil er Männer erreichen will, die glauben, all das habe mit ihnen nichts zu tun. Wenn Habicht heute in einer Gemeinde vor Männern steht – freundlich, sportlich, mit kurzen grauen Haaren, Brille, kariertem Hemd und Jeans –, erwartet man vieles, aber nicht diese Geschichte. Er spricht über Menschenhandel und Prostitution nicht distanziert und nicht mit erhobenem Zeigefinger. Er erzählt. Denn er weiß, wovon er redet.
Die Initiative „Männer gegen Menschenhandel“ ist sein Herzensprojekt. Mit ihr geht er einen ungewöhnlichen Weg: Die Gebetsinitiative richtet den Blick weniger auf die Opfer als vielmehr auf die Nachfrage im eigenen Land. „Ohne Käufer gäbe es keinen Markt“, sagt Habicht. „Menschenhandel existiert, weil Männer bereit sind, für Sex zu bezahlen.“ Und er ergänzt:
„Gott will uns nicht so.“

Verantwortung beginnt mit Hinsehen
Markus stellt das Projekt vor Ort in Gemeinden vor. Und regelmäßig treffen sich Männer aus ganz Deutschland online zum gemeinsamen Beten, Gastreferenten bringen ihre Perspektiven ein. Dabei geht es nie darum, andere zu verurteilen. Stattdessen möchte Markus ein Bewusstsein schaffen für das Unrecht, das sich vor unseren Augen abspielt. Zu oft werde weggeschaut, beobachtet er – und genau da beginne Verantwortung: im Kleinen, in der Sprache, in der Gestik, im Konsum.
„Echte Veränderung beginnt im Herzen. Und sie beginnt bei uns Männern.“
Herzensveränderung – auch das hat Markus selbst erfahren. Nach Jahren im Rotlichtmilieu stand er vor dem Abgrund. Seine Ehe zerbrach, gegen ihn liefen Strafverfahren, Gläubiger setzten ihn massiv unter Druck. Er wurde bedroht. Freunde wandten sich ab. Die innere Leere wurde so groß, dass er eines Abends beschloss, nicht mehr weiterzuleben. Er bereitete eine Überdosis Heroin vor, spritzte sie sich – und wartete auf das Ende.
Er überlebte.
„Gott hat mich nicht losgelassen.“
Warum, das kann medizinisch bis heute niemand erklären. Für ihn war es mehr als Zufall. In derselben Nacht, so erfuhr er später, war seine Mutter plötzlich wach geworden – geweckt von dem starken Drang, für ihren Sohn zu beten. Für Markus wurde dieser Tag zum Wendepunkt. „Ich hatte mein Leben komplett gegen die Wand gefahren“, sagt er rückblickend. „Und trotzdem bekam ich noch einmal eine Chance.“

Eine zweite Chance
Diese zweite Chance führte ihn nicht in ein neues schnelles Geschäft, sondern in einen Glauben, der trägt, bis heute. Bewusst stellte sich Markus dem, was war. Er suchte das Gespräch mit seinen Eltern – und er suchte Gott. Nun betete er nicht aus Tradition oder Pflichtgefühl, sondern aus echter Not. „Ich schaff es nicht allein“, sagte er damals. „Bitte hilf mir.“
Was folgte, war keine plötzliche Wunderheilung, sondern ein langer und mühsamer Prozess. Gerichtsverfahren, Bewährungsstrafe, der Verlust von Besitz und Ansehen. Ein beruflicher Neuanfang in einem christlichen Hilfswerk – statt Porsche nun Fahrrad und Lagerhalle. Und hier erfuhr Markus etwas Neues: die Gewissheit, dass Gott ihn nicht aufgegeben hatte. „Gott hat es mir nicht leicht gemacht“, sagt Habicht heute, „aber er hat mich auch nicht losgelassen.“ Schritt für Schritt lernte er, Verantwortung zu übernehmen – für sein Handeln und für die Menschen, denen er geschadet hatte. Aus Übermut wurde Demut. Aus Gleichgültigkeit wurde Liebe.
Habicht verlangt sich selbst alles ab. Denn auch in seiner Arbeit heute muss er sich seiner Vergangenheit immer wieder stellen. Samaritan’s Purse betreibt in Berlin das Projekt Alabaster Jar, das Frauen in der Straßenprostitution unterstützt. Markus Habicht hört darum viele Geschichten von Frauen, die durch Zwang, Täuschung oder wirtschaftliche Not in die Prostitution geraten sind – Geschichten von Gewalt, Abhängigkeit und Hoffnungslosigkeit.

„Wenn ich das höre, zerreißt es mir das Herz. Ich weiß, dass ich früher Teil dieser Welt war.“
Glaubwürdigkeit statt Perfektionismus
Gerade deshalb ist sein Einsatz glaubwürdig. „Wir beten, dass Männer ihre Herzen verändern lassen.“, erklärt er, „Dass sie lernen, Frauen nicht als Ware zu sehen, sondern als das, was sie sind: geliebte Geschöpfe Gottes.“
Markus’ Geschichte ist keine Erfolgsstory im üblichen Sinn. Sie ist die Geschichte eines Mannes, der tief gefallen ist – und mit Gott neu anfangen durfte. Der erlebt hat, dass Schuld nicht das letzte Wort haben muss. Der erfahren hat, dass Gnade real ist. Er lebt heute anders. Verheiratet, Vater zweier Töchter, inzwischen glücklicher Großvater. Nichts davon ist für ihn selbstverständlich. Jeden Tag ist er dankbar für Familie und Alltag. Die Silberhochzeit wurde ganz groß gefeiert – mit vielen Freunden und der ganzen Familie. Markus lacht sein strahlendes Lachen, wenn er davon erzählt: „Wir hatten ja mehr zu feiern als ein Jubiläum“, sagt er. „Wir haben gefeiert, dass Gott uns ein neues Leben geschenkt hat.“
Habicht sieht seine Aufgabe noch lange nicht erfüllt, er will ein Menschenfischer bleiben. „Mein Herz brennt.“, sagt er, „Es brennt für Menschen in schlimmer humanitärer und geistiger Not.“ Und man glaubt es ihm.
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