Franklin Graham
Vom Rebell zum Präsidenten von Samaritan’s Purse

8. JUNI 2023  |  USA

Seit 44 Jahren leitet Franklin Graham Samaritan’s Purse und sorgt dafür, dass jedes Jahr Millionen bedürftige Menschen Hilfe erfahren und die Botschaft von Jesus hören. Damit tritt er in die Fußstapfen seines Vaters Billy Graham, der weltweit Millionen Menschen das Evangelium verkündet hat. Dabei hat Franklin jahrelang gegen genau diese Lebensweise rebelliert.

Wenn man einen berühmten Vater hat

Als viertes von fünf Kindern wächst Franklin in den Appalachen außerhalb von Asheville, North Carolina, auf. Sein Vater Billy Graham ist als weltbekannter Evangelist die meiste Zeit auf Reisen und seine Mutter Ruth zieht die Kinder fast alleine groß. Franklin und seine Geschwister reagieren unterschiedlich auf den Ruhm des Vaters, der weltweite Evangelisationen durchführt und als geistlicher Berater für zwölf US-Präsidenten dient. Franklin beschreibt seine wilde Kindheit und Jugend unter anderem in seiner Autobiographie „Wenn man einen berühmten Vater hat“.

Franklin Graham
Franklin (vorne) zusammen mit seinen Schwestern Gigi, Anne, Ruth, seiner Mutter und Brüderchen Ned.

Je älter er wird, desto mehr testet Franklin seine Grenzen aus. Er liebt die Geschwindigkeit – ob mit dem Motorrad, Auto oder Flugzeug – und liefert sich unter anderem Verfolgungsjagden mit der Polizei.

„Ich wollte einfach nur Spaß haben“,

sagt Franklin, der sich gegen jegliche Autorität auflehnt. Dass er raucht, trinkt, in Schlägereien verwickelt ist und sogar von der Schule fliegt ist besonders im Bible Belt etwas, das anstößt. In all der Zeit hören seine Eltern nicht auf, für ihren rebellischen Sohn zu beten. Und diese Gebete wirken. Auf einer Reise nach Jerusalem ändert sich Franklins Leben um 180 Grad. „An diesem Abend wollte ich eigentlich in eine Bar gehen, um ein paar Bier zu trinken, aber stattdessen begann ich in meinem Zimmer das Johannes-Evangelium zu lesen. Als ich beim dritten Kapitel angelangt war, las ich nicht nur, dass Jesus zu Nikodemus sagte, er müsse wiedergeboren werden, sondern mir wurde auch klar, dass Franklin Graham ebenfalls wiedergeboren werden musste.“ In jener Nacht begreift der Rebell, dass er einen Retter braucht. Und nachdem er Jesus sein komplettes Leben übergibt, fängt ein neues Kapitel für ihn an.

Franklin und Samaritan’s Purse

Dieses neue Leben hat mit dem Evangelisten und Gründer von World Vision Bob Pierce zu tun, den Franklin ein Jahr zuvor getroffen hatte. Pierce hatte 1970 Samaritan’s Purse ins Leben gerufen – eine christliche Hilfsorganisation, die schon bald eine neue Leitung braucht. Denn Bob Pierce hat Leukämie. 

1975 lädt er Franklin ein, ihn auf eine mehrmonatige Reise rund um die Welt zu begleiten. Er will ihm die Nöte der Welt und Möglichkeiten zeigen, mit denen Samaritan’s Purse reagieren kann.

„Ich möchte, dass du die Dinge siehst, die Gott das Herz brechen“, sagt er zu Franklin.

Auf dieser Reise stellt Pierce sicher, dass der junge Franklin versteht, was die Grundprinzipien von Samaritan’s Purse sind.

Franklin Graham
Bob Pierce (Mitte) und Franklin Graham (rechts) in Papua-Neuguinea

Eines der wichtigsten ist dabei der „Gottes Raum“. Er beschreibt ihn als den Ort, wo menschliche Fähigkeiten nicht ausreichen, um eine Not zu stillen. „Aber du vertraust darauf, dass Gott die finanziellen und auch materiellen Mittel zur Verfügung stellt, um diesen Bedarf zu decken. Du triffst dich mit deinen Mitarbeitern, Gebetspartnern und Unterstützern und betest. Und dann siehst du, wie Gott den Bedarf deckt. Und dir wird klar, dass nicht du es geschafft hast, sondern Gott. Du hast ihm Raum zum Wirken gegeben.“ Am Ende ermutigt Bob Franklin:

„Setz dich für Dinge ein, die größer sind als das, was deine menschlichen Fähigkeiten erreichen können. Und dann beobachte, wie Gott Wunder tut.“

Diese Wunder werden sich in den kommenden Jahrzehnten immer wieder zeigen. Doch soweit ist es noch nicht. Denn als Franklin mitbekommt, dass Bob Pierce ihn als Nachfolger für Samaritan’s Purse möchte, ist er unsicher. Warum sollte ein junger Mann wie er die Leitung einer Hilfsorganisation übernehmen? Bob Pierce macht ihm klar, dass es bei Samaritan’s Purse um Prinzipien von gelebter Nächstenliebe geht. „Franklin, der Samariter [in der biblischen Geschichte aus Lukas 10,25-37] versprach dem Gastwirt wiederzukommen. ‚Schreib auf, was du ausgibst; ich übernehme die Verantwortung für ihn‘, sagte er, ehe er wegging. Solche Leute brauchen wir im Vorstand von Samaritan’s Purse – Leute, die einen Verletzten auf ihren eigenen Esel setzen und selbst zu Fuß weitergehen.“

Er führt weiter aus, dass der Verletzte keine Möglichkeit hatte, das Gute, das ihm getan wurde, zu erwidern. Der Samariter erwartete keine Gegenleistung. „Das war ein echter Samariter. Er hat Arbeit und Kosten auf sich genommen, obwohl er nichts zurückbekommen konnte.“

Eine letzte Sache gibt Bob Pierce Franklin mit auf den Weg für die Leitung von Samaritan’s Purse: „Haltet die Fahne Jesu Christi hoch. Das ist es, was uns auszeichnen wird. Was auch immer Samaritan’s Purse tut – ob wir den Leprakranken in Indien helfen, den Obdachlosen in Kalkutta, den Opfern von Überschwemmungen, Erdbeben oder Hungersnöten in Guatemala, Afrika oder Bangladesch – alles, was wir tun, tun wir im Namen von Jesus Christus.“

1979, ein Jahr nach dem Tod von Bob Pierce, übernimmt der 27-jährige Franklin Graham die Leitung von Samaritan’s Purse und beginnt die Arbeit der Hilfsorganisation immer weiter auszubauen. Eines der ersten größeren Projekte ist der Ausbau des Tenwek-Krankenhauses in Kenia, für das Franklin in einer christlichen Fernsehsendung Spenden sammelt. Es ist das erste Mal, dass Franklin den „Gottes Raum“ testet. Und tatsächlich: Von den benötigten 400.000 Dollar kommen 409.000 Dollar zusammen. Die zusätzlichen 9.000 Dollar gibt er dem Moderator der TV-Show bei seinem nächsten Besuch zurück – denn er weiß, dass dieser selbst in unzählige Hilfsprojekte investiert.

Franklin Graham
Franklin Graham

 

Über die nächsten Jahre hinweg arbeitet Samaritan’s Purse in verschiedensten Ländern und reagiert auf unterschiedlichste Nöte. Unter der Leitung von Franklin werden Kirchen in Indien gebaut, das erste WASH-Projekt (Wasser, Sanitär, Hygiene) in Äthiopien gestartet, Frauenprojekte in Bosnien und Herzegowina begonnen und unzähligen Opfern von Katastrophen geholfen.

 

In 1993 erhält Franklin einen Anruf aus England, ob Samaritan’s Purse die Geschenkaktion „Operation Christmas Child“ (bei uns bekannt als „Weihnachten im Schuhkarton“) übernehmen will. 28.000 Schuhkartons kommen im ersten Jahr zusammen, die an bedürftige Kinder in Bosnien und Herzegowina verteilt werden.

 

Mehr zu den Anfängen der Geschenkaktion

 

Franklin Graham

Jahr für Jahr kommen neue Projekte und Möglichkeiten hinzu, wo Samaritan’s Purse Hilfe bringen kann. Ob es Herz-OPs für Kinder aus der Mongolei oder Aufbauprojekte nach Katastrophen sind, überall geht Samaritan’s Purse im Namen Jesus. Denn das ist es, was Franklins Lebens von Grund auf verändert hat: Der Tod und die Auferstehung Jesu, die Botschaft von einem versöhnten Leben mit Gott und das Wissen, dass Gott ein erfülltes Leben für jeden einzelnen Menschen möchte. Und so arbeitet der heute 70-Jährige täglich daran, dass Menschen diese Botschaft erleben. Und er wird diese Aufgabe so lange weitermachen, wie Gott ihm Kraft schenkt.

Mehr als 50 Jahre Wunder Gottes

Inzwischen ist Samaritan’s Purse International 53 Jahre alt. Das folgende Video ist 2020 zum 50-jährigen Jubiläum entstanden und gibt Einblick, was Gott durch Samaritan’s Purse weltweit tut:

Weitere Blogartikel

Ein heiliger, historischer Moment
Samaritan's Purse

Nach jahrelangem Gebet und intensiver Vorbereitung fand am 7. Oktober das „Festival of Hope“ mit Franklin Graham in der Grugahalle Essen statt. Für viele Menschen wurde es ein historischer, lebensverändernder Moment.

Mehr erfahren
Warum wir beten
Samaritan's Purse

Im Interview erzählt Gebetskoordinatorin Vonda W. über ihren Fokus und warum Gebet so wichtig ist.

Mehr erfahren
Geschenke in der Bibel
Samaritan's Purse, Weihnachten im Schuhkarton

Geburtstag, Taufe, Weihnachten und Ostern – das sind die ersten Begriffe, die einem bei dem Wort „Geschenke“ in den Sinn kommen. Doch was sagt die Bibel darüber? Was für eine Rolle spielen Geschenke im Wort Gottes?

Mehr erfahren
Wunden brauchen mehr als Pflaster
Medizinische Hilfe, Uganda: Überleben

Im Juni 2023 war unsere Kollegin bei unserem Projekt "Uganda.Überleben" zu Besuch. Hier berichtet sie.

Mehr erfahren